Joshua's EpigraMarch 2026


EpigraMarch is a (yearly?) poetry challenge à la Inktober, started by me to replace what poet Savannah Brown used to call Escapril. It consists of a list of prompts, one for each day in March, for which a poem will have to be written. Prompts are revealed one at a time on the day on which they are due. Post your submissions anywhere under the epigramarch tag to encourage participation and message me at telomagnetics@protonmail.com if you want a link to your submissions on this site. The following pieces were submitted by one such participant and do not necessarily represent the views and opinions of ouroboros.cafe.


[01] - Genau hier (Here exactly)

Es war kalt und einsam, als ich dort stand Es verließ kaum deine mir so bekannten Lippen Spülten Wellen selbstbestätigende Prophezeiungen an Land Schleichender Zweifel eskalierte zu stampfenden Schritten Diesmal wird es anders, diesmal wird sie bleiben Kämpfte die Stimme im Brustbereich wenn ich dich sah Doch kämpfte sie auf der schwachen von zwei Seiten Gegen eine Übermacht die stets lauter war Von wo diese Übermacht schreit und versichert Dass ich verlassen werde und mich wieder geirrt hab Von dem höchsten aller Türme, genau hier Mit dem Finger an der Schläfe zeige ich's dir Wo Gedanken geformt werden und Emotionen rationalisiert Was den Menschen so besonders macht, genau hier So schreit mein Herz und kämpft wie ein Tier Doch verliert gegen verkorkste Vernunft, genau hier Es war kalt und einsam, in diesem Flur Genau hier, hier trennte sie sich von mir War ich nach außen still doch hörte nur Ich hab's dir doch gesagt, genau hier


[02] - Komme, was wolle (Hell or high water)

Luzifers Fäuste schlagen ein Auf den Dämon, der greift Nach Klingen aus Stahl Und schreit, er hat keine Wahl Blickt man verängstigt herab Auf den Kampf des Bösen Wer macht zuerst schlapp Wie wird es sich lösen Wird der Sieger sich preisen Als Retter der Welt Doch wird sich beweisen Das Kartenhaus fällt Denn es spielt keine Rolle Sei das Opfer noch so teuer Man bekämpft, komme, was wolle Nicht Feuer mit Feuer


[03] - Glühbirne (Lightbulb)

Brannte das Licht noch In jugendlichen Tagen ganz hell Strahlte unser Bund doch Wie jenes Licht so grell Doch du rückst und rüttelst Seit Jahren dran rum Wobei du nur den Kopf schüttelst Und ich mach mich krumm Gab sie irgendwann nach Ließ mich nicht weiter biegen Und die Glühbirne brach Warst trotzdem nicht zufrieden Blick ich auf die Reste des Lichts Schiebst die Scherben an den Rand Verliere ich nicht nur dich Ich verlier den Verstand


[04] - Glücksspiel (Game of Chance)

Das Rad, das sich dreht Die Würfel, die klappern Wie ein täglich Gebet Ist mein Gehirn am Rattern Das Ergebnis stets offen Meine Motivation am Wanken Ich selbst bin am hoffen Meine Ideen am Zanken Erkennt man erst am Ziel Wenn das Ergebnis verrät Wie lief es das Glücksspiel Das Glücksspiel der Kreativität


[05] - Wirbelnd (Spinning)

Ich gehöre hier nicht hin Mein Erfolg ist Betrug Was glaub ich, wer ich bin? In gestohlenem Anzug Ich kann das alles nicht Wieso denken sie nicht auch? "Der weiß nicht, wovon er spricht" Warum fällt es nicht auf? Ich meine ja, ich habe gelernt Das zu tun, was ich tu Und mein Umfeld schwärmt Denn ich lerne im Nu Doch kann ich nicht wirklich Gut darin sein, nein So überzeuge ich mich Es sei Trug und Schein Hin und her, so drehe ich mich Zwischen ich kann und ich nütze nichts Warum fragst du? Dies ist das Symptom Meiner Krankheit, dem Imposter-Syndrom


[06] - Sehr geehrter Herr (Dear Sir)

Sehr geehrter Herr Mit meiner Zukunft in der Hand Bitte seien Sie fair Stehe ich mit dem ücken zur Wand Entschuldigung, für jeden Fehler Ich bin mich zu verbessern gewillt Sie sind, und das weiß doch jeder, In jeglicher Hinsicht mein Vorbild Das ist keine Schleimerei, nein Ich meine das alles, das können Sie mir glauben Ja, Sie bewerten mich bis aufs kleinste Detail Aber man darf sich ja wohl ein Kompliment erlauben Ich hoffe, diese E-Mail erreicht ihr Postfach Viele Grüße, ich freue mich, Sie bald zu sehen, PS: Ich springe von einem Dach, Lassen Sie mich nicht bestehen.


[07] - Osmogenesia (Osmogenesia)

Man hörte, wie die Flasche zischt Man sah, das Kondensat am Getränk Und die Wolken verdeckten nicht Wie die Sonne sich senkt Doch viel stärker noch Als was man hörte und sah Wirkte auf mich, was ich roch Ein starkes, olfaktorisches Hurra Es roch nach Malz und Weizen Nach Freunden und Liebe Gerüche, die einen plötzlich mitreißen Und denken lassen, dass man fliege Füllten sich meine Augen mit Tränen Im schwachen, orangenen Sonnenschein Können Gerüche so schöne Momente bescheren Atmet man nur durch die Nase tief ein


[08] - Trotzdem (In spite)

Ich will nicht Ich kann nicht Es gibt Besseres zu tun Ich mag nicht Ich schaffs nicht Möchte heute nur ruhn' Ich machs nicht Ich vollbrings nicht Sport machen zu gehn' Ich gedenk nicht Ich plans nicht Und gehe trotzdem


[09] - Make it rain

If two immovable objects meet They make it rain bombs and oil Destroying crops and soil And the soul cause is greed What are we to do Except desperately discuss How to put a stop to Them making it rain on us


[10] - Vertraue dem Prozess (Trust the process)

Trust the process sagen sie Mit aufgesetztem Lächeln Doch frag ich mich nur wie Ich vertraue nichtmal Menschen Zu stark ihr Eigensinn und ihre Gier Ehrlich gesagt, vertraue ich nichtmal mir Jetzt soll ich auf etwas vertrauen Dass weder greifbar noch sichtbar Nein nichtmal abgeschlossen ist Klar, logisch, kein Ding Als nächstes vertraue ich darauf Dass mir Flügel wachsen und spring Klatscht mein Körper auf Wird die Meute laut Hätte er doch nur mal Dem Prozess vertraut


[11] - Kosmische Leere (Outer Void)

Oh wie ich wünschte zu schweben Komplett schwerelos und allein Was für Ruhe würde mir das geben Einfach ohne Gedanken zu sein Keine Verpflichtung, kein Vergessen Keine Wünsche, keine Interessen Einfach gedankenlos existieren In Luft- und Bedeutungsleere zwischen Galaxien Blicke ich umher sehe ich nichts Nichts, das mein Gehirn erweckt Kein Kontext, kein Sinneseindruck, Nichts Absolute Ruhe und Stille, absolut perfekt


[12] - Waschbecken (Sink)

Der Turm wächst, Teller mit Teller Schüssel mit Schüssel Hier ein Löffel und eine Gabel Und dazwischen zwei Messer Sind die Teller und Schüsseln Stets sich gegenseitig am überbieten Kämpfen Gabeln Messer und Löffel um Luft Während sie am Boden liegen Der Boden meines Waschbeckens Ist dreckiger als Sex Fantasien Eine Geschirrsammlung des Schreckens Der reine Anblick produziert Adrenalin


[13] - In meiner Tasche (In my Pocket)

Nur ein Handgriff entfernt Das ganze Universum Wie eine Waffe an der Hüfte Es hört und lernt Schmiedet passgenau Werbung Ist Schlüssel zu Pandoras Büchse


[14] - Noch Nicht (Not yet)

Man sagt es gäbe ein Licht An des dunklen Tunnels Ende Doch sehe ich es noch nicht Sehe nur kalte, dunkle Wände Schritt für Schritt nach vorn Furcht spiegelt sich im Gesicht Fantasien eines Ausgangs, doch in welcher Form Das weiß ich noch nicht Jeden Tag dem Aufgeben näher Bis die Hoffnung letztlich erlischt Doch mein Tank ist nicht leer Zumindest noch nicht


[15] - Nachrichten (News)

Buntes Flackern in einem dunkeln Zimmer Ein Gesicht mit totem Blick davor Will man innerlich nur noch wimmern Schenkt man den Nachrichten ein Ohr


[16] - Krimskrams (Beasts and bobs)

Dreizehn zerknickte Pokemon-Karten Verstreut auf dem Boden Worauf einst begeisterte Augen starrten Wurde seiner Kraft entzogen Eine alte CD, eine Spielfigur auch Sammeln Staub in der Ecke So viele Erinnerungen und doch kein Hauch Von dem, was es damals in mir erweckte Die alten Mangas im Bücherregal Sind ebenfalls nur weitere Stücke Des Krimskrams der mir inzwischen egal Aber mich einst so beglückte


[17] - Gerüst (Scaffold)

Quietschen und Knarren Ein Schritt nach rechts Knacken und Knirschen Ein Schritt nach links Meine Knochen sind müde Meine Gelenke noch müder Mein Gerüst soll mich halten Doch ich bald hinüber


[18] - An die Gefallenen (To the fallen)

Ich denke immer mal wieder Vereinzelt an Körper unter der Erde Die mal gefüllt waren mit Leben Und dann fand ihr Leben ein Ende Ich kann mir keinen Reim drauf machen Wieso manche bleiben und andere gehen Und so hebe ich das Glas an die Gefallenen Dieses Krieges namens Leben


[19] - Box (Box)

Pandora hat alles Übel und Leid befreit Doch wer will ihr die Schuld geben Wenn ihr ehrlich mit euch seid Wärt auch ihr neugierig gewesen Bin ich mir sicher, dass die Welt Schöner ist mit Übel und Leid Da das Positive im Kontrast auffällt Also danke Pandora, im Namen der Menschheit


[20] - Und jeder stand still (And no one moved)

Es ist kalt und der Wind pfeift schrill Ein miserabler Tag im April Ich weine nicht, obwohl ich will Es ist als stünde jeder still


[21] - Nachgemacht (Derivative)

Nachgemacht, doch nie ganz mein Trägt es fremden Schein im Sein Gab es alles schon zuvor "No thought's new anymore"


[22] - Form follows

Form follows function But function is scared Form keeps on chasing Screaming "Function, beware!" What if Form one day succeeds What if function one day gets stuck What will happen to Form and Function Once Form catches up


[23] - Und was ist hier los? (What's all this then?)

Da oben sind viele und lang durchdachte Gedichte mit Gedanken, die ich mir machte Und was ist hier los?


[24] - Timeline (Timeline)

Meine Timeline wird geflutet Ich sehe Schlechtes, ich sehe Gutes Ich sehe, was Auslöser meiner Wut ist Meine Timeline wird geflutet Ich sehe Beginn und Ende von Krieg Ich sehe Niederlage und ich sehe Sieg Steht oft Aussage gegen Aussage Eine Welt, in die ich mich nicht hinaus wage Meine Timeline wird geflutet Ich gucke hin, egal ob es schlecht oder gut ist


[25] - Hoch oben (High above)

In meinen Gedanken verloren Weit über den Wolken Mental falsch abgebogen Von verschiedensten Ideen gezogen In meinen Gedanken hoch oben Von der Anzahl meiner Pflichten In Höhe nur überboten Meine Gedanken am toben Ich schaff das auch noch später Hab ich mich selbst belogen


[26] - Almanach (Almanac)

Das Jahr ist 2000, ich erblicke die Welt Kann kaum begreifen, was sie bereithält 2005, schon fünf Jahre alt Noch klein, doch in der Schule schon bald Schon kommt das Gymnasium, es ist 2010 Das Kind ist noch klein, der Anspruch extrem Schule ist scheiße, kippelnd auf dem Stuhl Es ist 2015, ich bin unglaublich cool Verdammte Scheiße, mein Abi ist schon zwei Jahre her 2020, mein Kopf ist voll, die Clubs sind leer Fünf Jahre Studium später, bereit für Karriere 2025 zurück in der Schule, doch lerne nicht, ich lehre


[27] - Schreien (Scream)

Leise ist die Erkenntnis Doch laut der Schmerz Dass du nicht interessiert bist Weiß ich seit März Zuerst tat es weh War April voller Stille So wurde Mai etwas unruhiger Doch fehlte der Wille Der Wille zu sagen Was du angerichtet hast Der mangelnde Wille zu klagen Wurde mit Zeit zur Last Du wolltest mir nicht schaden Warst nur ehrlich zu mir Warum kann ich nicht sagen Was mich ehrlich beirrt Ich möchte schreien Schreien in dein Gesicht Wie du mich angelogen hast Dass wünschtest dir gar nicht Es wäre anders Schreien in dein Gesicht Du bist eine Lügnerin Die sich selbst besser verkauft als sie ist Doch kann ich das nicht Denn selbst wenn du mich nicht magst So mag ich dich zu sehr Also lüg mich weiter an, Das klingt für mich fair Ich schreie nicht rum, ich bin still Und behalts für mich Was ich schreiben will, in dein Gesicht


[28] - Wort Gottes (Word of god)

Und am letzten Tag sprach Gott Ihr Narren seid auf euch allein gestellt Verhing über die Menschheit seinen Spott Welche fortan stets auf seine List reinfällt


[29] - Suchen und Ersetzen (Find-replace)

Ich wünschte, mein Kopf wäre ein PC Mit all den praktischen Features Die damit einhergehen So könnte ich meinen Kopf wie einen Papierkorb entleeren Damit gewisse Gedankendateien nicht an meinem Arbeitsspeicher zehren Wäre es zudem hilfreich Um deinen Namen zu vergessen Statt ewig an ihn denken zu müssen Mit einer Tastenkombi suchen und ersetzen

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